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Haltung und Widerstand

Die Autorin, Soziologin und Politikerin Jutta Ditfurth hat im letzten Jahr die Streitschrift “Haltung und Widerstand. Eine epische Schlacht um Werte und Weltbilder” veröffentlicht – mit hochaktueller Relevanz. 

Haltung ist kritisches Bewusstsein, Verweigerung des Mitmachens und politische Handlung. Widerstand ist aus politischem Bewusstsein und gespeiste Handlung, die Risiken eingeht und der das Kämpfen folgt.” Dies ist das Fazit, was die Soziologin und Autorin, die damals die Grünen mitgegründet hat und nun in Frankfurt am Main bei der Ökologischen Linke (kurz: ÖkoLinx) Stadtverordnete ist, aus ihrer 2019 erschienen Streitschrift “Haltung und Widerstand” ziehen kann.

In dem Buch arbeitet Jutta Ditfurth systematisch einzelne Aspekte und Themen der aktuellen Zeit heraus, die auch schon früher von Bedeutung waren. In ihrem Leben hat sich Ditfurth – und tut es auch immer noch – viel mit der Linken beschäftigt, war selber in undogmatischen Kreisen aktiv und hat sich schon immer durch ihre kritische, bissige Ader auch bei Genoss*innen unbeliebt gemacht. 

Kritik mit Biss – aber konstruktiv

Ihre Kritik in dem Buch beschränkt sich also, wie schon im vorherigen Absatz antizipiert, nicht nur auf das Erstarken der (“Neuen”) Rechten – es sind die alten Inhalte nur in neuer und hipper Gestalt (siehe Identitäre Bewegung) – , das Aufkommen von faschistischen Tendenzen bei Marktradikalismus und Kapitalismus-Glorifizierungen, sondern auch auf die innerlinken Konflikte, zum Beispiel um das Thema Antisemitismus und der Nahost-Konflikt.

Interessant dabei: Ditfurth wurde schon immer für ihre Kritik an der dogmatischen und antiimperialistischen Linken attackiert, zum Beispiel vom offiziell aufgelösten “Jugendwiderstand”, die eher als eine Scheinauflösung genannt werden kann, um rechtlichen Konsequenzen durch justiziables Verhalten zu entgehen. Dabei stellt sie heraus, welchen historischen Hintergrund antiimperialistische Strömungen in der Linken haben und was das Fundament solcher Aussagen wie “Zionismus ist Rassismus” (neulich noch gehört) oder der Sympathie für die BDS-Bewegung ist. Bezogen auf den Nahost-Konflikt setzt sie auf eine kritische (!) Solidarität mit Israel, wie sie eigentlich ein Standard innerhalb der Linken sein sollte – davon ist man aber noch weit entfernt.

Jutta Ditfurth bringt viele Dinge sehr gut auf den Punkt. Neben den inhaltlichen Aspekten ist dazu noch besonders zu betonen, dass ihre Arbeit mit Quellen überaus lobenswert ist. Zu jeder Aussage, die sie trifft, liefert sie fundierte Belege – es ist eigentlich absurd, das hier zu sagen, jedoch ist es leider kein Standard. 

Eine fundierte, hochaktuelle, auch erschreckende und zugleich interessante Lektüre für alle, die aus ihrer Komfortzone herauskommen wollen und sich mit einer Portion Selbstkritik stark für die politische Praxis (siehe oben) machen wollen.

Jutta Ditfurth: Haltung und Widerstand – eine epische Schlacht um Werte und Weltbilder. Osburg Verlag 2019. 247 Seiten, 20 Euro.

Philipp Schröder

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