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“Hallo, hört mich jemand?”

Sibel Schick hat in ihrem Buch “Hallo, hört mich jemand” viele ihrer Kolumnen der letzten Jahre mit unterschiedlichen Themen zusammengestellt und überarbeitet.

Sibel Schick zählt zu der Sorte an Autor*innen, Journalist*innen und Kolumnist*innen, die den Finger in die Wunde legen können, wenn es gefragt ist – und vor allen Dingen benötigt wird. Genau das tut die Autorin in ihren Kolumnen, die sie in den letzten Jahren in der taz oder im Missy Magazin veröffentlicht hat. Sie beschäftigt sich vor allen Dingen mit den Themen Rassismus in Deutschland, Sexismus, Gewalt und Klassismus. Anhand von persönlichen Erlebnissen schafft sie es, ihren Positionen eine besondere Note und Brisanz zu geben.

“Es war Deutschland, das mich radikalisierte”

Bereits im letzten Jahr veröffentlichte Schick das knappe Buch “Deutschland schaff’ ich ab – ein Kartoffelgericht”, was der deutschen Gesellschaft den Spiegel vorgehalten hat: Von Deutschen, die schweigen, wenn sie rassistisch und sexistisch in der Bahn beleidigt wird und von falschen Freund*innen, die sich als Sexist*innen entpuppten. Durch ihr präzise und genau richtig eingesetzte Stilmittel der Provokation schafft sie es, genau die gegen sich aufzubringen, die sich bei den kritisierten Inhalten dermaßen getroffen fühlen. Um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: “Manche [Kolumnen] sind selbstironisch, manche wütend, manche sind moderater, andere wollen nur pöbeln. Alle sind direkt. Alle sind ehrlich.”

Sibel Schicks neuestes Buch sollte vor allen Dingen von denen gelesen werden, die den Rassismus, Sexismus und Klassismus in Deutschland noch nicht sehen. Schick hält der deutschen Gesellschaft den Spiegel vor und präsentiert sie zum Teil in ausdrucksvoller Weise mit persönlichen Anekdoten.

Sibel Schick: Hallo, hört mich jemand? Edition Assemblage 2020. 145 Seiten, 12 Euro.

Philipp Schröder

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