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Denk doch mal jemand an die Kinder!

Ein Kommentar von Jeremy Maier

Na gut, vielleicht nicht nur an die Kinder. Gemeint sind jetzt diejenigen, die auf die Schule, Lehrer*innen, usw. angewiesen sind. Denkt eigentlich jemand an sie? Ja, tatsächlich, mal mehr und mal weniger. Um genau zu sein, manchmal auch zu viel. Im Internet gibt es wie immer verschiedene Meinungen zu dem Thema.

Aus der Sicht von Eltern kann das Ganze sehr anstrengend sein, vor allem mit kleineren Kindern. Auf Twitter werden Erfahrungen über Homeschooling gesammelt – mit gelungenen und weniger gelungenen Beispielen. Im Hintergrund wird derweil diskutiert, ob die ganze Situation einen Umschwung für das (digitale) Schulsystem nach sich ziehen könnte. Was auch immer am Ende daraus wird, im Moment ist es jedenfalls kompliziert. Deshalb möchte ich das alles mal aus meiner Sicht schildern – der Sicht eines Schülers.

Zunächst sei einmal klargestellt, dass ich gerade eine Ausbildung mache und auf eine Berufsschule gehe. Wie es in anderen Schulformen oder auch generell an anderen Schulen aussieht, kann ich also nicht sagen.

Am Anfang bekamen wir direkt per E-Mail einige Aufgaben. Viele, viele Aufgaben. Wahrscheinlich wurden alle noch übrigen Aufgaben bis zum Ende des Schuljahres rausgekramt, weil plötzlich eine spontane Panik von „Wie, wir brauchen jetzt Lernstoff?!“ ausgebrochen war. Das sollte dann auch alles am Ende der Woche fertig sein, weil natürlich alle Schüler*innen, jetzt, da sie nur noch zu Hause sind, nichts anderes als Hausaufgaben im Kopf haben.

Dass manche auch noch von zu Hause aus weiterarbeiten müssen, scheint dabei niemanden zu interessieren, oder es ist den Verantwortlichen einfach spontan entfallen. Homeoffice bedeutet nämlich nicht, plötzlich nichts mehr zu tun zu haben. Im Gegenteil werden gerade am Anfang viele Ideen entwickelt, für deren Umsetzung man endlich Zeit hat. Also wurde kurz nach der Homeschooling-Maßnahme tatsächlich zu viel an die „armen Schüler*innen ohne Aufgaben“ gedacht.

Nachdem also alle sehr gestresst durch diese erste Woche gekommen waren, gab es nach eineinhalb Wochen immer noch keine Rückmeldung bezüglich der Bewertungen. Das wirft natürlich die Frage auf, warum wir überhaupt ein Zeitlimit hatten?

Generell lässt sich sagen, dass es in manchen Fächern besser funktioniert als in anderen. Ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen, könnte das natürlich an der jeweiligen Affinität zum digitalen Zeitalter liegen. Um mit einem positiven Beispiel zu starten: Uns werden am Anfang der Woche Aufgaben geschickt, die wir im Laufe der Woche bearbeiten können. Dazu noch die Lösungen, damit wir uns selbst überprüfen können und nicht auf Rückmeldungen warten müssen. Das ergibt vor allem bei uns Sinn, weil man sich inzwischen selbst regulieren können müsste. Natürlich könnte es sein, dass faule Schüler*innen einfach die Lösungen abschreiben, aber das ist dann deren Problem.

Auf der anderen Seite stehen die, sagen wir mal, fraglichen Beispiele: Wir benutzen die Plattform Moodle, dies wurde bei uns nun extra wegen der momentanen Situation angelegt, und es klappt auch ganz gut. Mit Ausnahme von Lehrer*innen, die uns unterschiedliche Informationen auf unterschiedlichen Wegen senden… So wurde uns in Moodle mitgeteilt, dass wir uns bei Fragen melden sollten und dann wurden uns getrennt nochmal Aufgaben per E-Mail geschickt. Das macht insofern keinen Sinn, dass für sowas ja eben die Moodle-Plattform eingerichtet wurde! Unterschiedliche Lehrer*innen kommen also unterschiedlich gut klar, aber so war es prinzipiell schon immer.

Würde ich also sagen, dass es im Moment gut läuft? Es wirkt alles etwas holprig. Keine*r schien darauf vorbereitet zu sein, dass es irgendwie Unterrichtsausfälle geben könnte. Das mag an der Situation liegen, es kam einfach sehr plötzlich. Trotzdem hat es sich angebahnt und man hätte vielleicht eine Woche vorher über eine „Was wäre, wenn?“-Maßnahme reden können.

Positiv sind trotzdem einige Lehrer*innen hervorzuheben, die die ganze Situation geschickt meistern und Nachsicht mit den Schüler*innen zeigen. Ich hoffe einfach, dass aus dieser Situation viel für die Zukunft mitgenommen werden kann.

Jeremy Maier

Jeremy Maier

Sich selbst in so wenigen Worten zu beschreiben ist schwer. Ich könnte so viel schreiben, die ganze Welt steht mir offen und dann merke ich, der Platz reicht nicht! Tja, da kann man nichts machen...

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