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Dem Westfalen ihm sein Leibgericht

Waren die Struwen dieses Jahr wieder nichts? Gab es bei Mutti wieder köstliche Struwen, sie rückt aber das Rezept nicht raus? Oder habt ihr einfach mal Lust, Struwen zu machen und ein bisschen zu diesem westfälischen Klassiker zu lernen? Dann seid ihr hier goldrichtig!

Für alle, die mit dem Wort „Struwen“ noch nichts anfangen können: Das sind schmackhafte Hefepfannkuchen, die im Münsterland sowie in einigen Regionen des Rheinlandes traditionell eben an Karfreitag gegessen werden. Mit der Zeit haben sich diverse Varianten entwickelt, wobei mein Opa felsenfest darauf besteht, dass “ordentliche” Struwen mit Rosinen gebacken werden. Anschließend gehöre es sich, die Struwen mit etwas Puderzucker und einem „Schlag Apfelkompott“ zu servieren (Quelle: So macht man das halt hier im Münsterland). Ich pflege in solcherlei Angelegenheiten nicht zu widersprechen.

So macht man das halt hier im Münsterland!”
— Mein Opa

Schon in frühen Kindertagen wurde ich selbstverständlich darüber aufgeklärt, dass das Wort „Struwen“ aus dem Plattdeutschen kommt. Genauer gesagt – ich habe das natürlich noch verifiziert – leitet es sich vom altsächsischen Wort „struva“ ab, was wiederum so viel wie „etwas Gekräuseltes“ bedeutet. Altsächsisch wurde circa vom 9. bis zum 12. Jahrhundert auf den Gebieten der Sachsen und Angeln gesprochen und gilt als Vorläufer des Plattdeutschen. Historisch bedingt besteht auch eine gewisse Verwandtschaft mit dem Englischen.

Nun also zum Rezept, was, wie ich bereits erwähnt habe, nicht selten ein wohlgehütetes Geheimnis ist. Nur mit Mühe, Not und reichlich Überzeugungsarbeit habe ich dieses über Generationen weitergegebene Rezept in meinen Besitz bringen können. Vorab sollte ich vielleicht erwähnen, dass grundsätzlich zwei Arten der Zubereitung existieren:

Zubereitungsart I

Man setze sich am Freitagnachmittag ins Auto und fahre zu seiner Mutter (Großeltern gehen auch). Wenn man Glück hat, stehen die Struwen schon fertig gebacken auf dem Tisch. Ansonsten kann man noch etwas fernsehen oder Fußball spielen, und sobald alles fertig ist, wird man benachrichtigt. Nach dem Essen gehört es sich natürlich, sich zu bedanken oder in der Küche zu helfen. Danach kann man wieder nach Hause fahren.

Wenn sich diese glücklichen Umstände leider nicht ergeben, dann muss man es halt selber machen:

Zubereitungsart II

Für 4 Portionen

500 ml

40 g

Milch

frische Hefe (Alternativ: 20g Trockenhefe)

500 g

30 g

2

5 g

30 g

125g

Mehl

Zucker

Eier

Salz

Butter

Zitronensaft

Rosinen

Fett zum Ausbacken

Puderzucker

Zuerst die Milch erwärmen und die Hefe mit der lauwarmen Milch anrühren, anschließend etwas Mehl hinzugeben. Damit ist der Vorteig fertig und kann erst einmal 15 Minuten ruhen.

Danach alle Zutaten in eine Schüssel geben und gut vermengen.* Den Teig abdecken und mindestens eine Stunde lang gehen lassen. Dann Öl in eine Pfanne geben, 1 bis 2 cm sollten genügen. Sobald das Öl erhitzt ist, kleine Teigportionen in die Pfanne hauen, sodass Taler mit einem Durchmesser von rund 10 cm entstehen.** Die Taler goldbraun anbraten und dabei einmal wenden.

Fertige Struwen auf einem Rost o.Ä. abtropfen lassen und je nach Geschmack mit Puderzucker bestreuen.

Guten Appetit!

 

* Sollten Rosinen nicht dem Geschmack aller Gäste entsprechen, ist es ratsam, die Rosinen vorerst beiseite zu stellen und zu einem späteren Zeitpunkt hinzuzufügen.

** Besagter späterer Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Es hat sich als umgänglich erwiesen, einen gewissen Anteil des Teiges ohne Rosinen zu braten, um im Anschluss die Rosinen unter den übrigen Teig zu rühen und diesen in einem zweiten Durchgang anzubraten.

Linus Alsbach

Linus Alsbach

Nordkirchener aus Überzeugung, daher täglich auf Pilgerfahrt nach Münster. Bufdi im Bürgermedien-Bereich.

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