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Im Club feiern war gestern

Heute werden dort Kochrezepte und politische Themen ausgetauscht. Die Rede ist vom neuen sozialen Medium Clubhouse, einer App, die zur Zeit auf Platz 1 der deutschen App-Store-Charts steht.

Was ist die Clubhouse-App und warum wird sie so gehypt?

Egal ob auf Instagram, TikTok, oder Snapchat, mindestens einmal am Tag zeigt der Storyfeed an, ob man nicht auch schon auf Clubhouse unterwegs ist und wenn ja, dass man dieser Person doch auch folgen möge. Aber das ist gar nicht so einfach, denn im April 2020 erschienene Clubhouse-App funktioniert nach dem Exklusivitätsprinzip: Momentan ist sie nur Personen zugänglich, die ein iPhone besitzen. Und wäre das noch nicht genug, müssen interessierte Neulinge explizit eingeladen werden, um die App nutzen zu können.

Warum sollte ich mich anmelden und was erwartet mich da?

In den letzten Jahren nimmt die Nutzung von Podcasts und Livestreams immer mehr zu. Allein in Deutschland hören mittlerweile 33 % der Befragten im Alter von über 16 Jahren hin und wieder einen Podcast. Im Jahr 2019 war das noch knapp jede*r Vierte. Das auditive Medium boomt also und die Coronapandemie trägt ihren Teil dazu bei. Viele Nutzer*innen schätzen mittlerweile auch die Möglichkeit, ihren Idolen oder Vorbildern live zu folgen und mit ihnen in Interaktion zu treten, zum Beispiel auf Plattformen wie Twitch.

Das Besondere an Clubhouse ist, dass die App genau diese Punkte verbindet. Es ist nun möglich, sich nicht nur entspannt von seinen Idolen und Podcaster*innen berieseln lassen, sondern auch aktiv am Gespräch teilzuhaben. So haben z.B. schon Thomas Gottschalk, Aurel Mertz oder die SPD-Chefin Saskia Esken den Weg in das neue Medium gefunden.

Zwar sind die Gesprächspartner*innen nicht live zu sehen, da lediglich das Profilbild der gerade sprechenden Person erscheint (ein Profilbild muss im Übrigen eingerichtet werden), aber die Nutzer*innen können in den direkten Austausch treten. Dafür muss nur die virtuelle Hand gehoben und das Rederecht von der Moderation zugeteilt werden. Daneben steht es allen Nutzer*innen frei, einen privaten Raum einzurichten und Teilnehmende gezielt auszusuchen.

Sollte man nun das Glück haben, als iPhone-Besitzer*in eine Einladung für das neue soziale Medium zu erhalten, mindestens 18 Jahre alt zu sein und die Registrierung abgeschlossen zu haben, wird man zu Beginn ausführlich nach den persönlichen Interessen und Hobbys befragt. Im Anschluss werden Gesprächsräume vorgeschlagen, die für den*die Benutzer*in interessant sein könnten. Von Sport und Literatur bis hin zu Finanzen und Politik lassen sich auf der Plattform im Prinzip alle gängigen Themen finden.

Die App steht stark in der Kritik

Datenschutzbeauftragte betrachten Clubhouse als bedenklich, denn die App verlangt von ihren Nutzer*innen vollen Zugriff auf die Kontaktdaten. Ansonsten ist es nicht möglich, die eigenen Freund*innen und Bekannten einzuladen (jede*r Nutzer*in kann übrigens nur zwei weitere Personen einladen).

Des Weiteren werden die Gespräche mitgeschnitten, unter dem Vorwand, dass Verstöße besser geahndet werden könnten. „Es wird kein fester Ansprechpartner für Datenschutzfragen genannt. Außerdem bleibt nebulös, welcher Anteil der Gespräche genau aufgezeichnet und wie lange gespeichert wird. Unklar ist auch, wie Nutzerinnen und Nutzer wieder an die eigenen Daten kommen”, berichtet der NDR.

Den Nutzer*innen jedoch werden Gesprächsaufzeichnungen nicht zur Verfügung gestellt. Verpasst jemand ein Gespräch, hat diese Person leider Pech gehabt. Auch gibt es noch keine klaren Regeln, wie sich Nutzer*innen auf der neuen Plattform zu verhalten haben. Bislang wurden auch keine Nutzer*innen gesperrt, sodass im Moment jede*r die Möglichkeit hat, seine noch so kruden Ansichten, Theorien und Meinungen zu äußeren, darunter potenziell auch Querdenker*innen, Rechtsextreme und Rassist*innen.

Ob Clubhouse für diese Probleme eine Lösung finden wird, bleibt offen.

“Stramme Rechte”, berichtet allerdings der Spiegel, “haben den Weg ins Clubhouse bislang offenbar noch nicht gefunden.”

Fazit

Sofern man bereit ist, seine Kontakte preiszugeben, die Datenschutzprobleme hinzunehmen, gerne an Gesprächen zu jedem Thema teilhaben möchte, so ist Clubhouse ein sinnvolles Angebot. Bei den Celebrities, Finanzgurus und Politiker*innen findet die App zumindest gerade sehr großen Anklang.

Leonard Kambor

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