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Kein Kompliment!

Sie geht über die Straße und wird von einem Mann aus einem Auto angehupt. Dabei erschreckt sie sich, er schwingt provokative Gesten und lacht. Eine Situation, die bestimmt vielen Menschen bekannt vorkommt. 

Catcalls” werden diese verbalen sexualisierten Übergriffe genannt. Sie finden im öffentlichen Raum statt und sollen – durch unerwünschte Sprüche, Gesten oder Pfiffe – den Betroffenen Macht demonstrieren. 

Besonders betroffen sind FINTA*-Personen.

Was sind FINTA*-Personen?
FINTA* ist eine Abkürzung, die ausdrücken soll, wer in bestimmten Bereichen diskriminiert wird. Dabei steht sie für Frauen, Inter-Menschen, Nichtbinäre Menschen, Trans-Menschen und Agender-Menschen. Die Bezeichnung bezieht sich also auf Menschen, die im Patriarchat diskriminiert werden.

Laut Strafgesetzbuch sind Catcalls nicht strafbar. Hierzulande gilt eine sexuelle Belästigung erst als solche, wenn es Körperkontakt gegeben hat. Verbale Beleidigungen sind zwar auch verboten, doch schwer zu ahnden. Wenn jemand auf der Straße angemacht wird, kann das nach geltendem Recht nur als Beleidigung angefochten werden. Anders sieht es zum Beispiel in Frankreich aus: Catcalling ist dort schon seit 2018 eigener Strafbestand. Dort kann es zu einem Bußgeld von bis zu 750 € kommen.

Ihren Ursprung hat die soziale Bewegung in New York und hat sich dann von dort aus auf ganz viele Städte auf der ganzen Welt ausgebreitet. Das Ziel dabei ist, die unangemessenen Sprüche wortwörtlich öffentlich anzukreiden und so Bewusstsein zu schaffen, um Catcalling zu entnormalisieren.

Sexuelle Belästigung passiert ständig und überall und doch bleibt sie meistens unbemerkt. Mit Instagram und bunter Kreide schafft eine Gruppe junger Frauen auch aus Münster Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit für sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum.

Wir sprachen mit Johanna und Teresa von @catcallsofmuenster.


Wer steckt hinter @catcallsofmuenster und wie organisiert ihr euch? Da ihr euch ja im öffentlichen Raum aufhaltet, spielt Anonymität bestimmt auch keine unwichtige Rolle?

Am 07.12.2020 wurde in Augsburg eine rassistische Ankreidung mit einem Großaufgebot von der Feuerwehr abgewaschen. Grundsätzlich ist es nicht verboten mit Kreide auf öffentlichem Raum zu malen. Doch Passant*innen riefen die Polizei. Hattet ihr auch schon mal eine negative Erfahrung oder seid auf Unverständnis gestoßen mit dem Ordnungsamt, der Polizei oder Passant*innen? 

Im Hinblick auf den Fall in Augsburg: Was glaubt ihr, warum stören sich manche Menschen eher damit die Ankreidung sichtbar zu sehen und weniger die Belästigung als solches?

Wie wichtig ist es für euch, auf sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit nicht nur aufmerksam zu machen, sondern den Opfern auch Raum zu schaffen und ihnen zu ermöglichen diesen Raum in der Öffentlichkeit einzunehmen?

Welche Rolle spielen die sozialen Medien, warum macht ihr die Belästigungen auf Instagram öffentlich?

Was wünscht ihr euch von der Öffentlichkeit? Wie kann man euch unterstützen?

Vielen Dank an Johanna und Teresa für das Gespräch!

Fotos: Timon Wichary


Carolin Wart

Auszubildende zur Mediengestalterin Bild und Ton mit Faible für indisches Kino.

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