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Erlebnispädagogik schafft Naturabenteuer

Kanufahrten, Klettern und Nachtwanderungen – das ist nur ein Bruchteil der Aktivitäten, die der Erlebnispädagoge Christoph Gaede in seinem Unternehmen “Jetzt und hier” anbietet, um Menschen jeglichen Alters die Möglichkeit zu bieten, ein Abenteuer zu erleben und die Natur mit anderen Augen zu sehen. Wir haben ihn getroffen und gebeten, uns einen kleinen Einblick in seine Arbeit als Erlebnispädagoge zu geben.

Könntest du einmal erklären wer du bist und was du machst?

Ja, ich heiße Christoph Gaede, ich bin 32 Jahre alt, seit 12 Jahren jetzt in Münster und zehn davon bei uns im Hansaviertel. Ich habe Grundschullehramt studiert, eine Ausbildung zum Abenteuer- und Erlebnispädagogen gemacht und bin seit zwei Jahren selbständig in der Erlebnispädagogik mit meinem Unternehmen „Jetzt und Hier“.

Wie bist du zum Beruf des Erlebnispädagogen gekommen?

Also ich war früher immer schon viel draußen in der Natur und habe auch schon immer gerne mit Menschen gearbeitet. Ich habe mich dann für das Lehramt entschieden und während des Studiums zunehmend gemerkt, dass ich im Klassenraum mit einem engen Lehrplan fehl am Platz wäre. Es war nicht das, wo ich meine Energie mein Leben lang reinstecken will. Ich habe mich deswegen auf die Suche nach alternativen pädagogischen Konzepten und Berufen gemacht und bin dann eben auf die Erlebnispädagogik gestoßen. Ich hatte danach die Zeit für fünf Monate Ausbildung im Bayrischen Wald. Da bin ich hingegangen, habe die Ausbildung mit sehr viel Freude und Leidenschaft absolviert und habe gemerkt, dass Erlebnispädagogik genau das Richtige für mich ist und ich genau da meine Energie reinstecken möchte.

Für Christoph sind die Themen Naturschutz und Nachhaltigkeit von großer Bedeutung.

Was für Aktivitäten oder Aktionen bietest du an?

Ich arbeite viel mit Schulklassen, aber auch mit Auszubildenen-Gruppen, begleite Junggesellenabschiede, private Gruppen oder Firmen, die als Team teilnehmen. Mit denen mache ich dann häufig Teambuilding-Maßnahmen, um den Zusammenhalt der Gruppe zu stärken, meistens auf eine abenteuerliche oder sportliche Variante mit kooperativen Übungen, sehr viel davon natürlich in der Natur. Ich habe auch eine eigene Flotte Kanus und genug Kletterausrüstung, sodass man das mit Gruppen anbieten kann. Ich fahre dann zum Beispiel zu den Dörenther Klippen, baue im Wald irgendwelche Kletter- oder Seilaktionen auf oder fahre auf der Ems und auf der Werse Kanu. Ich habe auch manche Auftraggeber, die deutschlandweit mit mir zusammenarbeiten. Deswegen bin ich mit meinen Angeboten nicht nur in Münster, sondern auch in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und so weiter unterwegs.

Was ist dir bei deiner Arbeit besonders wichtig?

Ich glaube, dass ich die Leidenschaft, die ich für die Natur habe, an die Teilnehmenden weitergeben kann und ich freue mich eben auch, dass ich mit den Gruppen an deren Teambuilding arbeiten kann. Aber ich versuche die Leute auch immer persönlich zu inspirieren, sodass sie selbst rausgehen und kleine Abenteuer erleben, um ein bisschen von dem tristen Alltag wegzukommen und durch meine Angebote vielleicht alternative Konzepte für sich selbst entdecken.

Bei den Aktivitäten wird es den Teilnehmenden ermöglicht, mit allen Sinnen Erfahrungen zu sammeln und Natureindrücke zu verarbeiten.

Wer sind deine Kund*innen?

Meine Kund*innen kommen aus den unterschiedlichsten Ecken. Also, ich habe, wie gesagt, auch manchmal Junggesellenabschiede, aber durch mein Studium und meine pädagogische Ausbildung habe ich vor allem viel mit Schulklassen zu tun. Viele sind aus der Grundschule, ich arbeite aber auch mit weiterführenden Schulen, Hauptschule bis Gymnasium, und anderen Einrichtungen wie Jugendzentren, also eigentlich alles, wo Menschen in Gruppen zusammen sind.

Worauf achtest du vor allem bei der Arbeit mit Kindern?

Ich spreche natürlich vorher immer mit den Pädagogen, also Lehrern zum Beispiel, die die Gruppe schon länger kennen und versuche da immer möglichst auf die Bedürfnisse der Gruppe einzugehen. Neben dem Programm, was ich vorbereitet habe, passiert es dann häufig auch recht spontan und intuitiv, dass ich auf die persönlichen Konflikte innerhalb der Gruppe eingehe. So etwas geht dann häufig schlecht in der Vorbereitung, sondern erst dann, wenn ich die Gruppe kennenlerne. Bei Angeboten wie Klettern und Kanu ist natürlich auch die Sicherheit ein ganz großer Aspekt, der beachtet werden muss.

Was macht dir am meisten Spaß an deinem Job?

Am schönsten finde ich Momente wie, wenn ich mit einer Gruppe zusammengearbeitet habe und dann ein Kind zufällig eine Woche darauf wieder treffe und es so etwas sagt wie: „Herr Gaede, Herr Gaede, ich habe seitdem versucht jeden Tag ein Abenteuer zu erleben“. Wenn so Feedback kommt, dann steht das bei mir viel, viel höher, als wenn der Lehrer sagt: „Ja, tolle Veranstaltung.“. Es freut mich total, wenn ich die Kinder oder die Teilnehmenden wirklich persönlich erreicht habe und da auch irgendwie langfristig was bewirken konnte, obwohl ich ja häufig nur relativ kurze Angebote mache. Meistens erstrecken sich die Angebote ja nur über einen Tag oder sogar nur einen Vormittag, zwei Tage oder vielleicht mal eine Woche: Das ist also eigentlich kein langfristiger Kontakt. Deswegen ist es mir wichtig, dass ich in der kurzen Zeit versuche viel zu bewegen. Wenn ich das schaffe und auch so ein Feedback bekomme, ist das für mich das größte Kompliment.

Wie lange bist du schon in diesem Beruf tätig und kannst du dir vorstellen bis zur Rente als Erlebnispädagoge zu arbeiten?

Also ich mache das jetzt seit zwei Jahren und habe da schon alle möglichen Hürden kennengelernt und erfolgreich überwunden. Ich merke aber auch, dass es schwierig ist, das dauerhaft in der Form durchzuführen, wie ich das mache. Deswegen weiß ich nicht, ob ich das für immer so machen werde. Ich möchte das schon, aber man entwickelt sich ja immer weiter, macht irgendwelche weiteren Fortbildungen, kauft sich zusätzliches Equipment, was die Angebote erweitert. Ich bin da ganz offen und zum Glück auch sehr flexibel. Ich glaube, das muss man in dem Beruf auch sein und hoffe sogar, dass ich mich weiterentwickele und nicht immer das gleiche mache, was ich jetzt zurzeit mache.

Hast du dein Unternehmen „Jetzt und Hier“ alleine aufgebaut?

Genau. Ich habe natürlich noch einige andere Pädagogen, die mich dabei unterstützen, wenn es einer weiteren Person bedarf, wie zum Beispiel eines weiteren Rettungsschwimmers bei großen Gruppen. Aber bei Jetzt und Hier bin ich der Hauptverantwortliche und auch meistens allein unterwegs.

Sein vollständiges Angebot zeigt Christoph auf seiner eigenen Website “jetztundhier.eu”.

Wie sind die Angebote in der Coronazeit abgelaufen bzw. konntest du überhaupt weiterarbeiten?

Ja, ich habe mit der Selbstständigkeit und dem Unternehmen „Jetzt und Hier“ angefangen, als Corona auch angefangen hat, was zunächst erst mal ein sehr ungünstiger Zeitpunkt war, weil man eben nicht in Gruppen arbeiten konnte und sowieso keiner raus konnte und so weiter. Deswegen habe ich mich erst mal noch mit anderen Jobs beschäftigt, ich habe zum Beispiel in Hessen im Wald viel gearbeitet, nicht pädagogisch, sondern als Forstarbeiter, aber das war nur zur Überbrückung. Dort habe ich viel gelernt, aber war dann auch froh, als es wieder losgegangen ist. Es war dann tatsächlich eine sehr gute Zeit zu starten, weil eben alle Gruppen großen Bedarf hatten an Teambuilding-Maßnahmen, sich kennenlernen, wieder als Gruppe draußen sein, etwas unternehmen und besondere Erlebnisse haben, was ja vorher gar nicht möglich war. Der Bedarf war dann umso höher und seitdem ist er auch hoch geblieben. Deswegen bin ich im Rückblick froh, dass ich zu dem Zeitpunkt angefangen habe.

Gibt es ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich glaube, die schönsten Erinnerungen, wie ich gerade schon gesagt hatte, sind diese, wo ich wirklich Momente habe, in denen ich sehe, dass ich mit der Arbeit etwas erreiche, und wirklich tolles Feedback bekomme von den Teilnehmenden. Ich glaube, das sind viele kleine besondere Momente, die mich sehr glücklich machen und auch mit Stolz erfüllen.

Ein Beitrag von Paula Brieden und Linn Stenert

Linn Stenert

Bundesfreiwillige im Bennohaus seit September 2022

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