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Warum schütteln wir uns die Hände?

In Zeiten von Corona kommt es immer häufiger vor, dass man dieses Begrüßungsritual auslässt – und das ist auch gut so! Durch den Handschlag oder anderen Körperkontakt können Erreger schnell übertragen werden, vor allem, wenn wir uns danach unbedacht ins Gesicht fassen.

Es wird empfohlen, stattdessen der gegenüberstehenden Person einfach ein warmes Lächeln zu schenken.¹

Nur, woher kommt jetzt eigentlich das Händeschütteln?

Das Händeschütteln ist zu verschiedenen Zeiten in der Geschichte dokumentiert, dient meist als Höflichkeitsfloskel und fällt in die Sparte der nonverbalen Kommunikation. Meistens wird es beim Ankommen oder Abreisen verwendet und gelegentlich als Siegel für einen Vertrag. In Deutschland ist es im Osten wesentlich üblicher, auch in großen Gruppen jedem zur Begrüßung die Hand zu reichen, als im Westen.²

In verschiedenen Regionen oder Kulturen hat das Händeschütteln verschiedene Aussagen und auch Einschränkungen. So wird vor allem in asiatischen Ländern, im Gegensatz zu hier, ein starker Händedruck als unhöflich und grob empfunden.³ In bestimmten Kulturen ist es generell unüblich oder nur auf gleichgeschlechtlichen Kontakt beschränkt.

Händeschütteln ist also eher ein westliches Phänomen. In anderen Ländern wird anstelle des Handschlags oft ein Wangenkuss oder eine Umarmung gegeben.

Händchenhalten hingegen stellt eine Form der Intimität dar und wird unter Liebespartner*innen als offene Bekundung zur Beziehung gesehen. Bei Verletzten oder Kranken teilt man der Person damit mit, dass man für sie da ist und sie nicht alleine lässt.

Und warum machen wir das?

Wissenschaftler*innen haben herausgefunden, dass Menschen sich nach dem Handschlag häufig ins Gesicht fassen. Sie tun das, um dem Geruch des anderen zu untersuchen. (Deshalb sind auch andere Annährungen in anderen Ländern nicht unüblich. Man kommt da direkt mit der Nase an eine andere Person heran und kann so ihren Geruch besser wahrnehmen.)

Das ist in unserer momentanen Situation natürlich ein großes Problem und widersinnges Verhalten, da wir so die potentiellen Erreger sofort zu unseren Schleimhäuten transportieren.

Das Händeschütteln ist also tief in unserem Verhaltensrepertoire verankert. Es repräsentiert unseren Wunsch nach Körperberührung, um Vertrauen aufzubauen und Interesse zum Gegenüber zu bekunden.

Umso entscheidender ist es, sich dessen bewusst zu sein. Deshalb gilt weiterhin der Rat: Lasst es erst einmal bleiben!


Quellen

[1] “Coronavirus: Warum wir aufs Händeschütteln verzichten sollten” – nordbayern.de, 11.03.2020

[2] “Das sind die Unterschiede in Ost und West” – welt.de, 04.06.2009

[3] “Vom Händeschütteln” – Deutschlandfunk, 15.12.2016

[4] “Das Händeschütteln u. Berühren von Nicht-Mahram Frauen u. Männern” – Islam gegen Extremismus

[5] “Warum schütteln wir uns zur Begrüßung die Hände?” – heise.de/Telepolis, 10.03.2015

Nele Laumann

Nele Laumann

Katzenliebhaber*in. Viele Gedanken über sehr viel, meistens unsortiert. Kann Spuren von Ironie enthalten. Danke für's Lesen von meinem Gedankenchaos. :)

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