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Eine gute Tat im neuen Jahr – Blutspenden

Mehrere Menschenleben retten – dafür muss man kein*e Superheld*in sein, magische Kräfte oder ein abgeschlossenes Medizinstudium haben. Es geht viel einfacher, als man denkt, denn Blutspenden dauert nicht lange. Ich war vor Kurzem zum ersten Mal Blutspenden und werde hier davon erzählen.

Nun erstmal zu den Basics: Wozu braucht der Körper überhaupt Blut?

Blut ist ein essenzieller Bestandteil des menschlichen Körpers und macht bei einem erwachsenen Menschen ca. sieben Prozent der fettfreien Körpermasse aus – das sind fünf bis sechs Liter. Durch das Herz wird Blut in den gesamten Körper gepumpt und versorgt ihn mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen. Zudem verteilt es Wärme und transportiert Abfallprodukte des menschlichen Körpers in Richtung der Ausscheidungsorgane. Besonders wichtig sind auch spezialisierte Zellen in der Blutflüssigkeit, die z. B. die Funktion haben Krankheitserreger abzuwehren oder bei einer Wunde das Blut zu stillen. Kurz gesagt: Blut ist ein reines Wundermittel, ohne das wir nicht leben könnten.

Wer benötigt das gespendete Blut und wofür?

Wusstet ihr, dass etwa 80 Prozent aller Bundesbürger*innen mindestens einmal im Leben Blut oder aus Blutplasma hergestellte Medikamente benötigen? Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. In dramatischen Ärzt*innenserien werden oft Unfallopfer oder schwerkranke Menschen mit Spender*innenblut versorgt, doch das sind nur einige Situationen, in denen fremdes Blut zum Einsatz kommt. Da es der Forschung bis dato noch nicht gelungen ist, Blut durch eine andere Flüssigkeit zu ersetzen, ist es wortwörtlich ein lebensrettender Rohstoff.

 

Diagramm der Einsatzgebiete von Spenderblut.

Wie man der Grafik entnehmen kann, gibt es eine Vielzahl von Einsatzgebieten: Krebs- und Herzerkrankungen sind dabei in der Rangliste an der Spitze, aber auch Komplikationen bei der Geburt können dazu führen, dass Spender*innenblut benötigt wird. Übrigens sind allein in Deutschland täglich ganze 15 000 Blutspenden erforderlich.

Corona verschärft die Situation

Die Pandemie stellt unser aller Leben auf den Kopf. Im Sommer dieses Jahres hat auch der Blutspendedienst ein großes Defizit beklagen müssen. Das hat mehrere Gründe: zum einen fielen auf einmal viele Termine weg, da der Mindestabstand bei der Prozedur oftmals nicht eingehalten werden konnte. Mobile Spendenbusse konnten nicht fahren und große Blutspendeaktionen von Firmen nicht stattfinden, da ein Großteil der Mitarbeiter*innen meist im Homeoffice arbeitete. Außerdem entfielen viele Stammspender*innen über die Sommerferien, da diese im Urlaub waren. So mangelte es z. B. dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) West an fast 35.000 Blutkonserven.

Dieser Mangel an Blutspenden muss wieder aufgeholt werden, das ist klar. Deshalb rufen Krankenhäuser und der Blutspendedienst des DRK jede*n über 18-Jährige*n, der*die sich gesund fühlt, dazu auf, Blut zu spenden und damit bis zu drei Leben zu retten. Zurzeit (Stand Januar 2021) benötigt man einen Termin und es werden auch in den Spendestellen selbst ausreichende Schutzmaßnahmen gegen eine mögliche Ansteckung getroffen.

Ob ihr alle Voraussetzungen zum Spenden erfüllt, könnt ihr hier checken!

Ich war Blutspenden: Wie läuft das ab?

In Münster kann man bei zwei Diensten lokal Blutspenden gehen. Dabei muss Jede*r für sich entscheiden, ob das im Uniklinikum Münster (UKM) oder beim DRK passieren soll. Der Unterschied liegt darin, dass das Deutsche Rote Kreuz mit den Spenden handelt und an Krankenhäuser gegen ein Entgelt verkauft. Im UKM hingegen gelangt das Blut ohne Umwege zu den Bedürftigen. Ich habe mich für das UKM entschieden, da ich dort genau weiß, wo mein Blut hingeht.

Sich auf dem riesigen UKM-Gelände zurechtzufinden, ist gar nicht so einfach. Doch, wenn ihr den richtungsweisenden Schildern folgt, solltet ihr die Blutspende schnell finden. Die gesamte Prozedur hat bei mir als Erstspenderin ca. eineinhalb Stunden gedauert.

Links geht’s zum Imbiss und geradeaus zur Blutspende.

Das Erste, was auf mich zukam, war Papierkram. In einem ausführlichen Fragebogen bestätigt man, dass keine Erkrankungen vorliegen, die der Blutspende im Weg stehen. Dazu gehört z. B. Hepatitis oder HIV. Außerdem ist es wichtig für die Ärzt*innen einen Einblick in den Lebensstil des*der Spender*in zu bekommen. Die letzten Reiseziele, die Sexualität oder auch neue Piercings und Tätowierungen können Aufschluss darüber geben, ob mögliche Krankheiten oder Infektionen vorhanden sind.

Nach einer körperlichen Untersuchung des Bluthochdrucks, des Hämoglobinwerts (zur Feststellung einer möglichen Blutarmut) und der Körpertemperatur geht es weiter zu einer persönlichen Befragung mit einem*r Arzt*Ärztin. Diese*r überprüft den Fragebogen und ermittelt anhand von Körpergröße, -gewicht und Geschlecht, welche Menge Blut abgenommen werden darf. Bei Frauen darf die jährlich entnommene Blutmenge 2.000 ml und bei Männern 3.000 ml nicht überschreiten.

Es wird empfohlen, vor der Spende noch eine Kleinigkeit zu essen. Im kostenlosen Imbiss des UKM gibt es neben Müsliriegeln und zuckerhaltigen Softgetränken auch belegte Brötchen und Salat. Denn bei leerem Magen besteht die Gefahr, dass dieser sich bei der Spende zusammenkrampft und Schmerzen verursacht. Ein Glas Cola hebt den Blutzuckerspiegel und beugt Schwindel oder Kreislaufproblemen vor.

Links oder Rechts? Der Arm wird nach der Größe und Zugänglichkeit der Venen ausgewählt.

In einem Raum mit sechs Liegen durften nun außer mir zwei andere Spender*innen Platz nehmen, zwischen uns blieb je eine Liege frei. Nun geht es los: Innerhalb von ungefähr zehn Minuten wurden bei mir 450 ml Blut abgenommen. Das Zusammenquetschen eines Gummiballs soll dabei helfen, dass mehr Blut in den jeweiligen Arm gepumpt wird.

Abgesehen von einem leicht unangenehmen Kribbeln im Arm war die Prozedur schmerzfrei und ging schnell vorbei. Wer ungeduldig oder schnell gelangweilt ist, hat die Möglichkeit fernzusehen oder sich mit anderen Spender*innen zu unterhalten.

Was passiert danach?

Nach der Spende ist es wichtig zu ruhen. Eine halbe Stunde sollte man sich noch im Imbiss oder im Wartezimmer aufhalten, bevor man sich auf den Weg nach Hause macht. Um die entnommene Menge an Blut auszugleichen, empfiehlt es sich, in den folgenden Tagen nach der Spende viel zu trinken und eiweißreiche Kost zu sich zu nehmen.

Wie alle anderen Blutspender*innen musste ich nach der Blutspende anonym eine streng vertrauliche Erklärung abgeben, die das gespendete Blut für die Behandlung an Patient*innen zur Verwendung freigibt oder nicht; den vertraulichen Spender*innenselbstausschluss. Mit diesem Formular hat der*die Spender*in die Möglichkeit, sich bei aufkommenden Bedenken zur Verwendung seiner Blutspende nachträglich selbst auszuschließen. Dies kommt zum Tragen, wenn doch Zweifel an der Eignung des Blutes auftreten oder, wenn ein*e Spender*in sich von Mitspender*innen unter Druck gesetzt fühlt, jedoch weiß, dass er*sie als Spender*in nicht geeignet ist.

“Mein Blut kann für Patienten verwendet werden.”

Nach ein paar Tagen trudelte dann per Post mein Blutspendeausweis ein, der mich offiziell zur Spenderin erklärt. Besonders gespannt war ich darauf meine Blutgruppe zu erfahren und insgeheim habe ich natürlich gehofft zu der universal einsetzbaren Blutgruppe 0- zu gehören.

Die Blutgruppe A+ kommt weltweit am häufigsten vor.

Außerdem empfängt jede*r Spender*in nach der erfolgreichen Spende eine E-Mail die z. B. so aussehen kann.

Vielen Dank für Ihre Blutspende vom 05.01.2021. Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass wir Ihre Spende am 21.01.2021 für einen Patienten auf der Station der Hämatologie und Onkologie verwenden konnten.

Neben dieser erfreulichen Nachricht ist vielleicht die Aufwandsentschädigung im Wert von 10 Euro für Erstspender*innen bzw. 20 Euro bei jeder weiteren Spende ein weiterer kleiner Anreiz spenden zu gehen (Kann bei anderen Blutspendediensten abweichen).

Ihr wollt noch mehr Leben retten? Dann schaut doch gerne bei Bushras Artikel zum Thema Organspende vorbei. Dort erklärt sie, warum es wichtig ist, einen Organspendeausweis zu besitzen.

Liv Niemann

Hi, ich bin Liv und Bufdi im Bereich Kulturmanagement.

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