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Nele

Woche 3

Hinweis: Allen Tagebuchschreiber*innen wurde in dieser Woche ein Fragebogen zur Seite gestellt, den sie entweder direkt beantworten oder in ihren Texten einpflegen konnten.

Samstag, 28.03.2020 | Tag dreizehn.

Endlich mal das gute Wetter genießen. Auch wenn es nicht verboten ist, rauszugehen, hat es trotzdem einen komischen Beigeschmack, weshalb ich mich irgendwie damit schwer tue. Deshalb sind wir auch wieder eher abends rausgegangen.

Ich mag dieses Gefühl von Unsicherheit nicht. Es gibt so viele Fragen, die irgendwie nicht geklärt sind und ich tendiere dazu, dann lieber nichts als etwas Falsches zu machen.

Sonntag, 29.03.2020 | Tag vierzehn.

Wochenenden helfen meinem jetzt schon kaputten Schlafrhythmus wirklich kein Stück weiter, aber ich habe auch wirklich nicht die Energie, ihn wieder hinzubiegen. Vor allem wenn man bedenkt, dass es im Moment sowieso keinen Unterschied macht. In meiner Abiphase hatte ich einen besseren Schlafrhythmus als im Moment und das will was heißen.

Via YouTube und Reddit bekomme ich ein wenig mit, wie es in anderen Ländern aussieht und wie andere Menschen damit umgehen. Das ist wenigstens ein wenig beruhigend, weil anscheinend jeder auf seine eigene Weise struggled.

In Deutschland wird man von den Nachrichten zugedröhnt mit Corona-Neuigkeiten. Beim Essen hören wir meistens Radio und es gibt gefühlt kein anderes Thema. Das ist ja auch gut, es gibt viel zu erzählen, viel aufzuklären, aber es zieht einen auch sehr runter, genau zu wissen, wie viele Leute heute an dieser Krankheit gestorben sind. Außerdem stumpft es einen ab.

DSA lief übrigens sehr gut! Ich hatte – anders als erwartet – sogar das Gefühl, dass es einfacher ist, sich Sachen vorzustellen, wenn man im Discord ist und nur die Stimme der anderen hört. Man hat auch nicht wirklich mitbekommen, dass wir uns gerade in einer Ausnahmesituation befinden. Alles war irgendwie merkwürdig normal.

Montag, 30.03.2020 | Tag fünfzehn.

Der Unterschied zwischen Sonntag und Montag ist inzwischen ehrlicherweise non-existent. Außer, dass ich heute ein Bewerbungsgespräch hatte. Oder vielleicht eher Aufnahmeprüfung. Es ist interessant zu beobachten, wie verschiedene Unternehmen nun mit eingeschränkten Möglichkeiten umgehen. Ich bekam ein Quiz und zwei Design-Aufgaben, die ich dann in 45 Minuten bearbeiten musste. Ich hätte in der Zeit alles googlen können, das war mir auch bewusst, das wurde mir später sogar nochmal gesagt, das ich das ruhig hätte machen können. Aber wäre das nicht Schummeln gewesen? Was würde mir das bringen, wenn sie einen verfälschten Eindruck von mir bekommen? Ich frage mich, wie der Test vor Ort ausgesehen hätte.

Dienstag, 31.03.2020 | Tag sechzehn.

Meine Maus ist kaputtgegangen. Ausgerechnet der Linksklick, den man für so ungefähr alles braucht. Ich bestelle mir, sobald es geht, eine neue. Das ist sehr schade, weil ich eigentlich dachte, das diese mal länger hält. Außerdem tendiere ich sonst dazu, alles wirklich aufzubrauchen und nicht wegen eines kleineren Defekts wegzuschmeißen. Ich meine, sonst funktioniert sie ja noch tadellos.

Ich finde es sehr schwer, Langzeitdiagnosen aufzustellen im Moment. Eigentlich fällt mir das immer schwer, aber jetzt kommt dazu, dass ich es gerade auch nicht wirklich will. Es wird gerade eher akzeptiert, keinen Plan zu haben, als sonst, weil wirklich keiner einen hat. Das einzige ist, dass ich vielleicht jetzt schlechtere Aussichten auf eine Ausbildung habe als vorher, weil gerade keine richtigen Bewerbungsgespräche laufen können. Das wird sich dann aber einfach früher oder später zeigen, denke ich.

Mittwoch, 01.04.2020 | Tag siebzehn.

Es ist natürlich nicht alles schlecht im Moment. Auch wenn mich die bis jetzt geschilderten Gedanken wirklich beschäftigen, ist es doch sehr schön, mal Zeit zu haben. Ich kann viel Zeit mit meinem Freund verbringen und das genieße ich sehr.

Es ist zwar um einiges schwerer, einen PC hin- und herzuschleppen als einen Laptop, aber hey, das kenne ich ja schon von LAN-Partys.

Donnerstag, 02.04.2020 | Tag achtzehn.

Ich weiß nicht, warum, aber ich war einfach den ganzen Tag mehr oder weniger müde. Ich konnte mich nicht besonders gut konzentrieren und bin immer wieder vom Thema abgekommen. Deshalb kann ich heute auch nicht sonderlich viel schreiben. Solche Tage hat man einfach manchmal, denke ich.

Freitag, 03.04.2020 | Tag neunzehn.

Fazit der Woche: Mir ist nicht wirklich langweilig, aber alleine, dass ich jeden Tag wirklich etwas länger überlegen muss, was ich heute aufschreibe, sagt vielleicht doch schon recht viel aus. Ich mache stetig etwas. Das sind meistens aber eher kleine, unwichtige Sachen. Sie räumen mein Leben im Großen und Ganzen mehr auf, aber es würde auch ohne sie gehen.

Ich vermisse das Bennohaus unglaublich sehr. Ich vermisse meinen Arbeitsalltag, die Menschen, das Rumlaufen und Austauschen. Es ist einfach nicht das Gleiche, jemanden über Riot anzuschreiben. Mir fällt es eh schon schwer, auf Menschen zuzugehen und ich finde anschreiben nur noch schlimmer. In Person sehe ich wenigstens die direkte Reaktion. Ich habe das Gefühl, ich bekomme nichts mehr von den meisten mit. Sonst konnte man sich schön in der Mittagspause oder nach der Arbeit austauschen, ein bisschen ins Leben des anderen reinriechen. Mir war aber auch klar, dass ich das alles vermissen werde. Meine Zeit ist ja sowieso begrenzt und jetzt wird sie einfach nur noch weiter verkürzt. Das finde ich mehr als schade. Ich habe immer jede Sekunde im Bennohaus genossen.


Woche 2

Samstag, 21.03.2020 | Tag sechs.

Nachtrag zu Freitag: Das Bewerbungsgespräch verlief ziemlich gut. Tatsächlich war das Telefoninterview üblich und fand nicht etwa wegen Corona statt. Ich wurde aber vorgewarnt, dass ich erstmal nicht zu einem persönlichen Gespräch eingeladen werden könne, aus den offensichtlichen Gründen.

Ich war tatsächlich heute mal tagsüber draußen. Eigentlich mit der Intention bei dm Bilder auszudrucken, aber das ist das einzige, was komplett nicht ging, da die Automaten geschlossen hatten. Verständlich auf den ersten Blick, nicht so verständlich wenn man davor bei der Sparkasse war und sich an einem, doch recht ähnlichen Automaten, Geld abgehoben hat. Trotzdem will ich auch nicht unbedingt ein Touchpad anfassen, was wahrscheinlich den ganzen Tag nicht desinfiziert wird (ich hatte dafür Handschuhe mit). Also keine Bilder für mich.

Im Eingangsbereich von dm stand eine Frau, die mit einem Klicker gezählt hat, wie viele Besucher*innen rein und raus gehen. Bei mir war das kein Problem, aber die Dame hinter mir durfte nicht mehr rein, weil dann der Laden zu voll gewesen wäre.

Allgemein musste man im Geschäft einen Abstand von 1,5 Metern einhalten was… absolut nicht geklappt hat. Hat irgendjemand schonmal aktiv versucht, einen solchen Abstand einzuhalten? An jeder Ecke stand jemand, an dem*der ich mich gerade NICHT vorbei quetschen wollte, aber das schien wirklich niemand einzusehen. Die haben das bei mir nämlich trotzdem einfach gemacht. Auch vor jedem Regal, an das ich wollte, suchte gerade eine Person ganz vertieft nach genau dem richtigen Produkt und ich stand daneben und wartete. Ich glaube mein Einkauf hat etwa dreimal so lange gedauert, wie normalerweise.

Wer sich das System an der Kasse ausgedacht hat, dachte anscheinend, dass man nur nach vorne und hinten Abstand halten muss. Direkt links neben mir stand eine andere Person an der anderen Kasse. Ich glaube, ich gehe einfach gar nicht mehr raus.

Sonntag, 22.03.2020 | Tag sieben.

Wir haben beschlossen, unsere geplanten DSA-Sessions nicht ausfallen zu lassen, sondern sie über Discord auszutragen. Ich bin wirklich gespannt, wie das laufen wird. Heute haben wir erstmal alles eingerichtet und uns überlegt, wie das mit der Musik laufen wird (wir spielen sie über Spotify ab). Wir haben das entschieden, noch bevor die Kontaktsperre entschieden wurde. Ich finde die ganze Sache ein bisschen zu vage gehalten. Natürlich ergibt es Sinn, keine absolut genauen Regeln festzulegen, aber ich denke, so kommen einfach viele Fragen auf.

Montag, 23.03.2020 | Tag acht.

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich heute einen enormen Tatendrang und habe angefangen alte Hobbys bzw. “was-ich-schon-immer-mal-machen-wollte” aufzugreifen. Ich habe also mit Lettering angefangen, um irgendwie meine überschüssige Kreativität aufzubrauchen. Bin gespannt, wie schnell ich dort Fortschritte mache.

Ein Freund, mit dem ich lange nicht mehr gesprochen hatte, hat mir erzählt, dass seine frisch gegründete Klamottenmarke leider wegen Corona zum totalen Stillstand gekommen ist. Man muss dazu sagen, dass diese auf Sportler ausgelegt waren. Das ist natürlich mehr als unglücklich. Ich dachte vorher immer, dass jetzt alle Onlineshops total von der Situation profitieren, aber bestimmte Spezialisierungen sind einfach gerade nicht gefragt.

Dienstag, 24.03.2020 | Tag neun.

Langsam kommt die Zeit, wo mein Rhythmus in die komplett falsche Richtung shiftet und ich dazu tendiere, eher nachts kreativ zu sein. Das ist vielleicht nicht sonderlich schlimm, ich finde es nur wirklich nervig.

Dafür kann ich Zuhause das gleiche Lied den ganzen Tag in Dauerschleife hören, ohne, dass es jemanden stört (jedenfalls hat sich noch kein*e Nachbar*in beschwert).

Ich habe sehr viel Spaß am Lettering gefunden, ich mache es den ganzen Tag immer mal wieder zwischendurch, wenn mein Kopf gerade eine Pause braucht. Irgendwie hat es etwas beruhigendes.

Mittwoch, 25.03.2020 | Tag zehn.

Ich habe eine sehr nette Streamerin wiederentdeckt. Ich habe außerdem bemerkt, dass sich Streams hervorragend zum Nebenbei-Gucken eignen und irgendwie alles auflockern.

Da die Schnüre an meiner Wand (zur Befestigung von Plakaten etc.) sich immer noch wellen, habe ich alles Mögliche, was irgendwie schwer war, daran befestigt. Jetzt sieht mein Zimmer aus wie ein Schießstand oder so, ich hoffe, es bringt wenigstens was.

Donnerstag, 26.03.2020 | Tag elf.

Auch wenn man jetzt viel Zeit zum Suchen von Sachen hat, heißt das nicht, dass das mehr Spaß macht. Heißt auch nicht, dass man die Sachen einfacher findet. Dafür konnte ich wenigstens meine Festplatten mal ein bisschen aufräumen.

Es ist Wahnsinn, wie schnell ein Tag vergeht, wenn man alles so ein bisschen und auch irgendwie alles gleichzeitig macht.

Freitag, 27.03.2020 | Tag zwölf.

Meine beste Freundin möchte sich meinen Laptop ausleihen, weil ihre Uni-Termine zur Abgabe von den Mappen aus irgendwelchen Gründen noch nicht verschoben wurden. Eigentlich war es so geplant, dass sie an meinen Standrechner kann, um sich von mir Photoshop erklären zu lassen. Das müssen wir jetzt alles über Telefon oder Skype machen und das macht es einfach nur alles komplizierter. Generell wird alles einfach kompliziert und das kann an manchen Ecken wirklich nerven.

Mein Fazit der Woche: ich bin müde. Ich will wieder in einem Büro arbeiten, um einen besseren Schlafrhythmus zu bekommen und motivierter zu werden. Mir fällt es zwar nicht schwer, drinnen zu bleiben (das kannte ich schon), aber keinen geregelten Tag zu haben ist nichts für mich. Ich freue mich schon, wenn ich irgendwie ein paar feste Termine habe.

Außerdem: Hobbys nachzugehen kann anstrengend sein.


Woche 1

Vorwort

Ich denke, es startet einfach mit vielen Fragen. Was mache ich jetzt? Wie mache ich das jetzt? Was kann ich überhaupt noch machen? Habe ich vielleicht noch Sachen, die ich lange schon machen wollte, aber nie Zeit dafür hatte? (Wie ein viel zu detailliertes Quarantäne-Tagebuch schreiben, weil ich gerne schreibe, aber es nie tue…)

Ein paar der Fragen werden sich wahrscheinlich erst mit der Zeit beantworten.

Eine Sache habe ich jedoch direkt beantworten können: ich kann endlich alles bestellen, was ich nie konnte, weil niemand zu Hause war, um es anzunehmen. Also habe ich mir Sonntag Kabel und andere Sachen auf Amazon zusammengestellt, um endlich (und das ist die zweite Sache, zu der ich nie gekommen bin) mein Zimmer zu Ende zu gestalten! Jetzt muss ich nur noch warten…

Warten mache ich eh viel, also sollte das gehen, oder?

Naja, jetzt wo ich weiß, wie ich alles machen will und was ich dafür brauche, will ich es eigentlich sofort umsetzen. Mehr Updates am Mittwoch.

Generell habe ich nicht so große Angst um mich, mehr um die Menschen in meiner Umgebung. Ich habe Angst, dass ich Überträger*in sein könnte, ohne es zu wissen.

Montag, 16.03.2020 | Tag eins.

Meine beste Freundin zieht um. Sie meint, sie möchte das noch schaffen, bevor sie zuhause eingesperrt wird. Wir mussten dafür Reinigungsmittel holen, um ihre Wohnung sauber zu machen, bevor sie die ganzen Möbel reinbringt. Das Problem dabei ist: es ist alles ausverkauft. Also benutzen wir nur Allzweckreiniger und kein Desinfektionsmittel. Das passt schon, ist nicht so schlimm, dann wischt sie Oberflächen halt erstmal nur mit Wasser ab. Die Fenster und den Boden konnten und haben wir jedoch schon gereinigt, also immerhin etwas. Dazu mussten wir jetzt zwar raus und unter Menschen, aber nicht lange. Trotzdem macht es einen ein bisschen mulmig.

Dienstag, 17.03.2020 | Tag zwei.

Ich finde es ohne richtigen Alltag schwer, morgens aufzustehen. Wenn ich was zu tun habe, aber in keinem bestimmten Zeitrahmen, tendiere ich dazu, alles nachts zu machen, weil ich da kreativer bin. Immerhin bleibt der „lange“ Weg zur Arbeit aus, wegen dem ich sehr viel früher aufstehen müsste. Homeoffice ist trotzdem nicht meins, ich finde, viel lenkt einen Zuhause zu sehr ab.

Ich versuche mir anzugewöhnen, in meiner „Mittagspause“ rauszugehen, damit ich nicht den ganzen Tag am Computer sitze, sonst bekomme ich meine Energie nicht los. Es fühlt sich komisch an, nach draußen zu gehen, auch wenn das, sofern man nicht anderen Menschen zu nah kommt, ja eigentlich kein Problem darstellt.

Immerhin komme ich so endlich dazu, Bewerbungen zu schreiben.

Mittwoch, 18.03.2020 | Tag drei.

Meine Bestellungen sind angekommen! Also erstmal alles auspacken, einstöpseln und richtig aufräumen. Leider fehlen mir noch einige Teile, heißt: es ist letztendlich unordentlicher als zuvor. Dafür konnte ich endlich die letzte Leiste zum Befestigen meiner unzähligen Poster an der Wand anbringen, damit die schon mal nicht mehr sinnlos überall rumstehen.

Abends werden dann auch tatsächlich mal ein paar Videospiele nachgeholt, für die ich sonst keine Zeit oder Energie mehr hatte.

Das mit der Mittagspause hat absolut nicht geklappt. Eher noch setze ich mich mit Essen vor den PC und mache die ganze Zeit ein klein bisschen etwas.

Donnerstag, 19.03.2020 | Tag vier.

Heute war ein ziemlich ruhiger Tag. Ich habe mit Katzen gespielt und wir sind am Abend (eher nachts) rausgegangen um den, dann-nicht-mehr-so-schönen, Tag auszunutzen. Nachts rausgehen hat etwas beruhigendes, weil wirklich absolut niemand da ist. Es haben auch keine Lichter in den Häusern gebrannt, als würde man durch eine abgeschottete Welt laufen.

Freitag, 20.03.2020 | Tag fünf.

Ich wurde gestern zu einem Telefoninterview eingeladen. Ich bin mir nicht sicher, ob das an der momentanen Lage liegt, oder ob sie das einfach immer machen. Ich bin gespannt, wie das so läuft.

Mein Fazit der Woche ist: der Tag geht schneller vorbei als gedacht. Es gibt irgendwie immer viele Kleinigkeiten zu tun und eine absolute Welle an “das muss ich unbedingt noch machen, ich habe ja gerade Zeit!” Mal sehen, was ich davon so abgearbeitet bekomme.

Abends mehr Zeit zu haben, um vielleicht rauszugehen, finde ich sehr schön. Generell entzerrt sich irgendwie alles. Ich habe nur Angst vor einer Ausgangssperre.